Burnout Prävention, Burnout Vorbeugung

Burnout Vorsorge

Meine Nichte und ich blätterten das Photoalbum einer Reise durch, die ich fünf Jahre zuvor gemeinsam mit meinem Mann gemacht hatte. Plötzlich meinte sie, ‚Tante Karin, du siehst heute viel jünger aus.‘ Zugegeben, ihre Feststellung ging mir runter wie Öl. Doch was war es, was hat die Veränderung bewirkt?

Vor fünf Jahren war ich noch in einem Konzern angestellt und leitete die ‚global Marketing Projects‘. Eine Sandwich-Position, die mir zugewiesenen Mitarbeitenden (in der Hierarchie unter mir) und die Bereichsleitungen und Vorstandschaft über mir. Ich hatte eine Abteilung übernommen, die durch eingefahrene Muster und mit Altlasten geprägt war. Meine direkte Vorgesetzte, sagte mir bereits vor dem ersten Tag, wen sie auf der Abschussliste hatte und wie sie alles haben wollte. Vor lauter Arbeit und Zielerfüllungen vergas ich mich. Ich war eine Top-Verdrängungskünstlerin. Mein Körper sagte mir mehrfach ‚Stopp‘, doch ich hörte nicht hin. Bis ich beim Spaziergang mit dem Fuß abrutschte. Es knackte im Knie und ich wusste ‚jetzt stimmt etwas nicht mehr‘. So war das dann auch. Im Krankenhaus erfuhr ich, dass mein Miniskus sichelförmig gebrochen war. Ich hatte plötzlich Zeit, viel Zeit um über mich und mein Leben nachzudenken.
Im Rückblick sieht es so aus als sei ich meinen Weg in Richtung Burnout sowas von zielstrebig gegangen, dass mir nicht mal im entferntesten einfiel, dass ich Burnout gefährdet gewesen bin. Die Arbeit hatte mir Spass gemacht. Gut, es war viel Stress, es gab viele Überstunden, abends konnte ich selten abschalten, nahm manchmal auch Aufgaben mit nach Hause. Doch was soll das? Ich wurde schließlich gut bezahlt, da durfte mein Arbeitgeber auch die entsprechende Leistung erwarten.

In der Zeit mit dem gebrochenen Bein wurde mir klar, dass eine Änderung dringend notwendig war. Damals hatte ich noch eine Zweitwohnung, damit der Weg zur Arbeit kürzer war. Am Wochenende pendelte ich nach Hause. Nach dem Unfall änderte sich vieles.

Um es kurz zu machen: Heute bin ich selbständig, was auch nicht unbedingt weniger Stress bedeutet. Doch ich gehe mit dem Stress anders um. So finden sich beispielsweise in meinem Terminkalender Zeitblöcke, die ich für mich freihalte. Am Anfang war es relativ schwierig, diese auch stoisch im Kalender stehen zu lassen. Doch in der Zwischenzeit fällt es mir leicht. Die Termine können auch um meine Zeit platziert werden. Das funktioniert!
In diesen Zeitfenstern mache nur Dinge, die mir Spaß machen. Ab und an schleicht sich zwar dann auch mal ein Alltagstermin rein, wie einkaufen gehen. Doch ich achte darauf, dass das die Ausnahme bleibt. Wir haben in der Zwischenzeit wieder einen Hund. Er ist im Moment 6 Monate alt und sorgt dafür, dass auch meine körperliche Betätigung im ausgewogenen Verhältnis bleibt. Wenn er mal nicht genügend rauskommt oder wenn ich ihn nicht genügend intellektuell fordere, dann findet er sich seine Spielsachen selbst und testet alles mögliche auf dessen Haltbarkeit aus.

Für mich bedeutet Burnout-Vorsorge

  • Bewusstwerdung: weswegen versuche ich es allen Recht zu machen?
  • Klären von Fragen wie: Wofür vergesse ich meine eigenen Bedürfnisse? Was gibt mir das Ergebnis meines Einsatzes?
  • Bewegung, damit meine ich nicht von Termin zu Termin rennen, sondern die Bewegung in der freien Natur
  • kleine zeitliche Rückzugsinseln, Zeit für mich, in denen ich meditieren oder etwas anderes mache, an dem ich Freude habe. Das kann auch mal nichts sein und einfach ’nur vor mich hinträumen‘.
  • Atemübungen und Autogenes Training helfen sehr gut beim Ein- und Durchschlafen
  • bewusste Ernährung: das bedeutet in meinem Fall gesunde Mischkost, essen was mir schmeckt und abends statt Wein auch mal Wasser trinken
  • Spaß am Leben haben und diesen auch leben
  • ein Tag in der Woche, an dem ich nicht erreichbar bin. O.k. für meine Kinder und meinen Mann schon, allerdings sonst für niemanden

Heute bin ich Beraterin für Supervision und Burnout-Prävention. Zu meinen Aufgaben zählt auch mein Wissen an andere weiterzugeben, beispielsweise während einem Seminar am und auf dem Bodensee, im ICH-Projekt. Die Erfahrung lehrt, dass jeder Mensch kann für sich seine ganz individuellen Formen finden, mit denen die Gesundheit gefördert, der Spass am Leben reaktiviert und damit Burnout-Vorsorge erfolgreich umsetzbar ist.

Gerne stehe ich für die Beantwortung von Fragen zum Thema zur Verfügung.

Herzliche Grüße

Karin Pietzek
Tel.: 07733 – 501 49 19
http://kybkom.de