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Work-Life-Balance 1

‚Work-Life-Balance‘ ist mehr als lediglich ein Modewort, mit dem Unternehmen seit einigen Jahren versuchen High Potentials zu locken, den bestehenden Mitarbeiterpool und deren Wissen langfristig zu halten.
Auf der einen Seite steht jeder Unternehmer für sich und seine Mitarbeiter in der Verantwortung etwas  für die Gesundheit und die Balance zwischen Arbeits- und Privatleben zu tun. Auf der anderen Seite ist auch jeder Mensch gefordert selbst aktiv zu werden.

Woher kommt die Arbeitswut oder das Desinteresse?

Begleiten Sie mich auf einen kleinen Ausflug in Ihre Kindheit. Während unserer Entwicklung durchlaufen wir fünf Entwicklungsebenen mit unterschiedlichen Wahrnehmungen. Die Art der Wahrnehmung und unsere Gefühle sorgen dafür, dass sich individuelle Denk- und Verhaltensmuster bilden. Diese Muster sacken mit zunehmendem Alter ins unbewusste Sein ab. Wenn ein Trigger von außen kommt, z.B. durch Stress, weil jemand etwas fordert oder ein Konflikt entstanden ist, dann verhalten wir uns unbewusst so, wie in dem Alter, in dem das Muster entstand.
Beispielsweise jemand bekommt etwas nicht, was er gerne hätte, hat seinen Trigger  im Alter von vier Jahren gesetzt und dort gelernt, ‚wenn ich laut genug brülle, dann klappt das‘, dann neigt dieser Mensch eher zum Lauterwerden als jemand, der gelernt hat brav zu lieber still zu sein.

Fallbeispiel aus der Praxis: In einer Familie kam es immer wieder zum Streit wegen Geld. Den Sohn störte dies dermasen, dass er sich in jungen Jahren schwor nie arm zu sein. Er bestand die Schule durchschnittlich, erlernte einen Handwerksberuf, baute sich schon neben der Ausbildungszeit ein kleines Nebeneinkommen auf und war im Alter von 50 Jahren Firmeninhaber mit vielen Mitarbeitern. Seiner Firma ging es sehr gut, seine Ehe zerbrach an mangelender Kommunikation, sein Freundeskreis war mangels Zeiteinsatz nicht mehr vorhanden. Er stand kurz vor dem Burnout. Was war geschehen? Er hatte die Balance zwischen Arbeit und Privatleben verloren. Sein Leben bestand überwiegend aus Arbeit. Erst nachdem er begann sich auf dem Weg zu sich selbst zu machen, wurde er innerlich ruhiger.
Er erkannte, dass die gleiche Menge Arbeit auch in kürzerer Zeit erledigt werden kann, wenn er sich Zeit für sich nimmt, ruhiger wird und sein Zeitmanagement änderte.

Gedanken- und Verhaltensmuster können sich zu jedem Zeitpunkt unseres Lebens einprägen. Das positive ist, dass die Wahrnehmung der Prägung sie veränderbar macht.

Die fünf Entwicklungsebenen der Dualität

Bitte verstehen Sie die folgenden Jahreszahlen als ungefähre Werte. Jeder Mensch entwickelt sich individuell. Die Werte stellen lediglich grobe Leitlinien dar.

ca. 3 Jahre  –   Ich-Definition: Selbstwahrnehmung mit ‚Ich bin …‘,
z.B.  selbstständig, selbstbewusst, lieb, böse, usw.

ca. 5 Jahre  –   Du-Definition:  Du-Wahrnehmung mit ‚Du bist …‘
Hier finden sich die Grundlagen für ‚mein Umfeld mag mich/mag mich nicht‘ usw.

ca. 8 Jahre  –   Sexus & Prinzipien im Ich: Sexus wird in diesem Zusammenhang als Erkenntnis verstanden. Was ist typisch weiblich, was ist typisch männlich. Die Grundlagen dieser Erfahrungen werden durch die Beobachtung der Eltern geprägt. Im Spiegel der Eltern lernen wir, was ‚Frau sein‘ und ‚Mann sein‘ ausmacht.

ca. 13 Jahre –  Sexus & Prinzipien im Mich: das ist die Phase in der das spielerische Herantasten erfolgt. Wie reagiert das Umfeld, wenn dieses oder jenes gemacht wird. Die individuellen Leitplanken werden häufig weiter gesetzt als die Eltern erlauben. Wie werde ich im Außen wahrgenommen, was geht, was geht nicht? Die Erkenntnisse mit den Ergebnissen von Übertritten bestehender Regeln bilden die Grundlage für den Spiegel des Umfeldes.

Ca. 21 Jahre –  Geistige Reife im biologischen Sinne: zu diesem Zeitpunkt ist das menschliche Gehirn ausgereift. Die Synapsen des neuronalen Netzwerkes ermöglichen einen Einblick und eröffnen eine Vielzahl an weiteren Möglichkeiten.

Wer nun glaubt, dass gemachte Erfahrungen, Prägungen sich nicht verändern lassen, unterlegt einem Aberglauben. ‚Was Hänschen nicht gelernt hat, kann Hans durchaus noch lernen.‘ Denn in den nun folgenden Jahren geht es primär um die Erkenntnis, dass der Spiegel der selbst gemachten Erfahrungen lediglich ein Spiegel ist. Er diente dazu das Rüstzeug zu erhalten, mit dem das Leben gemeistert werden kann.

Im Sinne der Work-Life-Balance bedeutet das:

Sich seiner selbst bewusst werden und die Verantwortung für die eigene, innere Einstellung übernehmen.

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Alle Artikel dieser Reihe:

1 – Erkennen der tiefenpsychologischen Zusammenhänge

2 – Was bedeuten weibliche und männliche Qualitäten

3 – Die Bedeutung des Körpers

4 – Mit Meditation zu Ruhe und Stressbewältigung

5 – Kleiner Einblick in die Möglichkeiten zur Work-Life-Balance