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Die Kraft Der Sprache /  Teil 2 – Wahrnehmung Stressprävention  Grammatik

Die Kraft der Sprache / Teil 2 – Wahrnehmung Stressprävention Grammatik

In Teil 1 dieser Artikelserie hast du einen kleinen Einblick in die Kraft der Worte erhalten. In diesem Artikel zeige ich dir, wie du mit kleinen grammatikalischen Beobachtungen deine Resilienz (Widerstandskraft) in Stresssituationen verbessern kannst.
Meine Empfehlung: Lächle jedes Mal, wenn du eine Optimierungsmöglichkeit bei dir entdeckst. Gehe liebevoll mit dir um und korrigiere dich anschließend mit einem Lächeln.

Ich wünsche dir viel Spaß bei der Beobachtung deiner Sprache und in deiner Persönlichkeitsentwicklung.

Mit herzlichen Grüßen,

Karin
Karin Pietzek
Entspannungspädagogin, Kommunikationstrainerin, Supervisorin
kybkom.de


Kybernetische Kommunikation:  Die Kraft der Sprache /  Teil 2 – Wahrnehmung/Grammatik

Stress ist ein normales, biologisches Phänomen. Es handelt sich dabei um einen Überlebensmechanismus, der uns in Situationen schützt, die potenziell gefährlich sind.

Biologischer Zusammenhang
Trifft eine Stresssituation ein, dann wird das im Gehirn als gefährlich wahrgenommen. Der Körper reagiert sofort. Die Atmung wird flach, der Puls erhöht sich. Blut wird in größerer Menge in die Muskeln gepumpt, damit wir besser kämpfen oder fliehen können. Die gesamte Muskulatur spannt sich an, im Rumpf verhärtet sich die Muskulatur sogar, um die Organe zu schützen. Schließmuskeln öffnen sich zur Entleerung, damit wir im Kampf/bei der Flucht leichter sind. Die Schultern ziehen sich zum Schutz des Genicks nach oben. Jetzt ist der Körper auf eine Kampf- oder Fluchtsituation vorbereitet.
Normalerweise sind solche lebensgefährlichen Situationen selten. Sie haben immer einen Anfang und ein Ende. Wir Menschen haben jedoch in unserer Entwicklung das Spiel mit den Gedanken gelernt. Wir können Situationen visualisieren, Vergangenheit und Zukunft können per Gedankenkraft in der Gegenwart wahrgenommen werden.
Assoziationen aktivieren unterbewusste Verbindungen und lösen psychologische Trigger (Schalter) aus, die den Wunsch nach einer individuellen Zielerfüllung befriedigen sollen. Diese Zielerfüllung hat selten etwas mit dem tatsächlichen Ereignis der Gegenwart zu tun. Sie kann jedoch zu erhöhtem Stress führen, da die Befriedigung des verborgenen Wunsches unmöglich ist. Im Beispiel kann es zu dauerhaftem Stress kommen.

Beispiel 1: Situationen im Straßenverkehr, die als lebensbedrohlich erlebt werden können Stress auslösen.
Beispiel 2
: Jemand fühlt sich missachtet, ungesehen, ungehört. Abhängig vom Menschentyp und wie häufig diese Missachtung im Leben bereits erlebt wurde, kann das verschiedene Stress-Situtionen auslösen. Hat der Mensch beispielsweise Missachtung schon als Kleinkind erlebt, dann führt dies zu Angst, Überlebensangst. Es entstand ein mentales Muster, das auch im Erwachsenenalter vergessen und dennoch aktiv ist. Abhängig von der Entwicklung und den Lernerfahrungen  kann diese Urerfahrung in Stresssituationen Aggressions- und Kampfverhalten oder Flucht- und Blockierverhalten auslösen.

Kommen solche Assoziationen häufiger vor, dann entwickeln sich in der Folge Probleme, die als stressassoziierte Erkrankungen bekannt sind. Hierzu zählen auszugsweise  Verspannungen im Bewegungsapparat, Schwierigkeiten im Herz-/Kreislauf-System durch den erhöhten Blutdruck. Im Blutkreislauf wird das Blut dicker, damit wir im Fall eines Kampfes weniger schnell verbluten. Bei dauerhaftem Stress erhöht das jedoch die Herzinfarkt und Schlaganfall Gefahr.

Beim Umgang mit Stress ist es immer eine Frage der Dauer und der Dosis. Gibt es einen Anfang und ein Ende. Wer dem Stress kein Ende setzt, erzeugt sich selbst Schwierigkeiten. Das Schöne ist, wir können selbst etwas für unsere Widerstandskraft (Resilienz) tun, in dem wir uns mental trainieren.

(1) Machen wir uns in einer Stresssituation bewusst: Werde ich an Leib und Leben bedroht?
In der Praxis arbeite ich gerne mit indivuellen Bildern der Klienten. Da dies jetzt unmöglich ist, könntest du dich fragen:
Ist Chef/Kunde/Mitarbeiter/Ehefrau/Ehemann/Kind/Problem/… ein Säbelzahntiger, der mich umbringen will?
Das innere Bild kann deine innere Distanz zur Stress-Situation im Jetzt unterstützen.

(2) Erfahrungsmuster aus der Vergangenheit in der Vergangenheitsform formulieren.
An Stelle von „… reagiert immer in der Form, dass … .“ könntest du denken „Beim letzten Mal reagierte … in der Form, dass … .“ oder verschiedene Aktionsperspektiven visualisieren.

(3) Welches Bedürfnis hast du in der Situation, welches Verhalten wünschst du dir von …? Formuliere bewusst.

(4) Welches Bedürfnis ‚richtet‘ … an dich?
‚Richten‘ beinhaltet unbewusste Assoziationen. Es geht z.B. in eine Richtung oder jemand wird hingerichtet. Letzteres kann unbewussten Stress erzeugen. Im Bewusstsein für die Kraft der Sprache kann sich ein Wandel entwickeln.
Beispiel: Ein Vorgesetzter erwartet bis zum nächsten Tag eine dringende Ausarbeitung und teilt dir das per EMail mit. Gleichzeitig sollst du auch diverse andere Aufgaben ausführen. Nun könntest du eine EMail retournieren, deine Aufgaben aufzählen, den ungefähren Zeitaufwand, den du dafür benötigst dazu schreiben und -wenn das deine Arbeitszeit deutlich überschreiten sollte- nachfragen, in welcher Priorität die Aufgaben abgearbeitet werden sollen. Kommt keine Antwort, dann entscheide selbst. Die Führungskraft hat dir ihr Vertrauen damit bekundet. Was machbar ist, wird sofort erledigt, Wunder dauern etwas länger.

Das beinhaltet für deinen Alltag: Würdst du alles in der Gegenwart formulieren, baust du dir vermeidbaren Stress auf. Formuliere statt dessen in grammatikalischen Zeiten, damit reduzierst du spürbar deinen Stress.
Erfahrungswerte liegen in der Vergangenheit und Aufgaben liegen mehrheitlich in der Zukunft. Es ist unmöglich alles im Jetzt zu lösen.
Wie häufig formulierst du alles in der Gegenwartsform? Beobachte dich selbst und finde deine grammatikalische Differenzierung.
Beispiel: Gestern wurden … (Aufgaben) gelöst werden. Jetzt schreibe ich …, in einer Stunde wird das Meeting stattfinden, dann werde ich dorthin gehen. Morgen werde ich mich mit … befassen.

Bleibe im Jetzt mit deiner Wahrnehmung, dann merkst du, dass du in den meißten Situationen ‚jetzt‘ außerhalb der Lebensgefahr bist.

In der Praxis wurde ich schon gefragt, ob es denn di- und eu-Stress wirklich gäbe. In der Literatur gibt es diesen. Di für disharmonischen und eu für euphorischen Stress. Ja. In der Praxis ist es jedoch eine Frage von Dauer und Dosis. Der Körper erlebt in beiden Fällen den gleichen biologischen Ablauf. Das bedeutet, selbst wenn jemand andauernd eu-Stress erlebt, kann dies zum Burnout führen.

 

Teil 1: kybernetische Kommunikation – Die Kraft der Sprache – Worte

Teil 3 – Körper, Gefühle, Verhalten
3.1. kybernetische Kommunikation – Kommunikationspsychologie Blickverhalten

 

 

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