Überspringen zu Hauptinhalt
Die Kraft Der Sprache / Teil 3.1 – Kommunikationspsychologie Blickverhalten

Die Kraft der Sprache / Teil 3.1 – Kommunikationspsychologie Blickverhalten

Diese Artikelserie gibt praxisorientierte Einblicke in die Zusammenhänge der kybernetischen Kraft von Sprache:
Teil 1 – Kraft der Worte
Teil 2 – Wahrnehmung Stressprävention Grammatik

Teil 3 – Die durch den Körper fließende Energie wandeln wir unbewusst in unsere Körpersprache. Sie erzählt vom kommunikativen Zusammenspiel von Körper-, Gefühls- und Verhaltenssprache. Du erfährst, wie du dich über die Sprache deines Verhaltens mit deiner Selbstbeobachtung und kleinen Interventionen in mehr Sicherheit und Vertrauen führen kannst.

Kybernetische Kommunikation:  Die Kraft der Sprache /  Teil 3 – Körper, Gefühle, Verhalten

Sprache ist ausgesprochen umfangreich. Neben der verbalen und geschriebenen Sprache kennen wir auch die visuelle Sprache. Sie hat im Miteinander eine besonders große Bedeutung.

  • 3.1. Blickverhalten
  • 3.2. Gesichtsausdruck (Mimik)
  • 3.3. Kopfhaltung, Körperhaltung und Körperbewegung (Gestik)
  • 3.4. Berührung (Taktilität)
  • 3.5. räumliche Distanz (interpersonaler Raum) sowie
  • 3.6. stimmliche Merkmale (Tonfall, Sprechgeschwindigkeit, Betonungen, Pausen etc.).

Hinzu kommen Faktoren wie Kleidung, Schmuck, Frisur (Haaransatz), Geruch/Parfüm/Deodorant und bei Damen das Make-up. Das äußere Erscheinungsbild spiegelt sich in der Selbstkundgabe- und Beziehungsebene.

Albert Mehrabian, Professor der Psychologie, beschreibt eine der bekanntesten Regeln der Wirkung von Körpersprache, die 55-38-7-Regel. Erforscht wurde die kommunikative Wirkung von verbaler und nonverbalen Sprache in Gruppen. Das Wissenschaftsteam erkannte, dass die Wirkung bei Präsentationen oder ähnlichem zu 55% von der Körpersprache (Körperhaltung, Gestik, Augenkontakt), 38% von der Stimmlage und nur 7 Prozent vom Inhalt der Kommunikation abhängt. Doch Vorsicht. Wenn die 7% unglaubwürdig und mit mangelnder Authentizität kommuniziert werden, dann wird der Redner anschließend weder in der Gruppe noch im persönlichen Miteinander so wahrgenommen werden, wie er es gerne hätte. Ausnahme: allen ist bewusst, dass er im Schauspielgewerbe unterwegs war und eine Rolle spielte.

Lass uns die Ebenen kurz anschauen:

3.1. Blickverhalten/Blickrichtung

Während dem Blickkontakt erfassen wir die Mimik, Gesichtszüge und Aussehen und registrieren unbewusst  subtile Hinweise auf Stimmung, Absichten und die Persönlichkeit des anderen. Wissenschaftler entdeckten, dass es in unserem Gehirn einen eigenen Schaltkreis gibt, der die Blickrichtung anderer auswertet. Neben der Blickrichtung spielen auch Dauer, Blinzelhäufigkeit, Pupillenreaktionen und vieles mehr eine Rolle für unsere Wahrnehmung.
Als angenehm wird eine durchschnittliche Blickdauer von ca. 3,3 Sekunden empfunden. Dann kommt ein Blinzeln, Kopfhaltung verändern usw. . Alles was über darüber hinausgeht oder kürzer ist, wird als irritierend wahrgenommen und gewertet.
Lass uns mal auszugsweise die Blickrichtung ein wenig prüfen.

Wie wirkt es auf dich,
… wenn jemand den direkten Blickkontakt in der Kommunikation vermeidet?
Beispiel:  Ein Verkäufer berät dich in der Auswahl von technischen Produkten und schaut dabei ausschließlich auf das Produkt. Dies löst bei vielen Menschen den Gedanken aus, ‚der hat etwas zu verbergen‘.
Häufige Interpretationen:  unsicher, unehrlich.

… wenn jemand dauernd wegschaut und die Umgebung interessanter zu sein scheint, als das Gespräch mit dir?
Beispiel: Du sprichst mit jemandem, der Gesprächspartner antwortet und stellt auch Fragen. Während der Kommunikation schaut er dich ab und an kurz an, anschließend gleitet sein Blick im Raum herum, dann holt er während dem Gespräch sein Handy raus, um zeitgleich im Gespräch Nachrichten zu bearbeiten, die unabhängig vom Gespräch sind. [Beobachte nur, wie das auf dich wirkt. Wie du dich verhalten würdest, das ist ein anderes Thema. Bleibe bewusst bei dir und deinem Gespür. Was spürst du, was nimmst du wahr?] Häufige Interpretation: uninteressiert.

… wenn dich jemand von oben herunter anschaut?
Beispiel: Du hast einen Geschäftstermin. Dein Gesprächspartner ist 1,98 m groß. Für die Besprechung wirst du zu einem Stehtisch geführt, der für ihn angenehm ist. Bei dir ist die Tischplatte in Mundhöhe. Das Gespräch verläuft sehr freundlich. Was schwingt unbewusst bei dir mit, wenn du an ihn denkst?
Häufige Interpretationen:   überheblich, unhöflich.

… wenn dich jemand von unten nach oben anschaut, obwohl ihr die gleiche Körpergröße/Sitzhöhe habt?
Beispiel:   Im Gespräch bemerkst du, dass die Kopfhaltung deines Gegenüber immer leicht nach vorne gebeugt ist. Der Blick kommt von unten nach oben.
Interpretationen: von unsicher, unterwürfig bis zu tückisch, hinterlistig.

… wenn dein Gegenüber dir starr in die Augen sieht?
Beispiel: [lassen wir bei diesen Beispiel die Bewegung der Augenlider außen vor. Die Augen sind normal geöffnet, frei von Gefühlen.] Du kommst in eine medizinische Praxis. Der Arzt begrüsst dich höflich, bittet dich Platz zu nehmen. Du setzt dich hin. Er stellt dir Fragen und fixiert deinen Blick, in dem er dir starr, ohne weitere Kopfbewegung, in deine Augen schaut.
Häufige Interpretationen:  von gedanklich abwesend bis suggestiv, manipulativ.

Wenn du einen Vortrag als Redner/in hältst
Abhängig von der Gruppengröße, vor der du sprichst, kannst du nur begrenzt Menschen in die Augen sehen. Hilfreich ist bei Großgruppen, wenn du -während dem freien Sprechen- mit deinem Kopf und deinen Augen langsam einem imaginären M folgst; also mit Kopf und Augen den Raum von links unten nach oben ins obere Drittel, dann in die untere Mitte, von hier aus ins rechte obere Drittel und dann nach rechts unten durchwanderst. So fühlen sich alle anwesenden gesehen. Finde deinen eigenen, individuell passenden Rhythmus, damit die Motorik  authentisch wirkt.

Forscher beobachteten in Studien, dass die durchschnittliche Blickdauer eines Redners auf sein Publikum bei 38% und 41% der Redezeit liegt.
Bleibt ein Redner deutlich unter diesem Wert (etwa bei 15%), dann wirkt er häufiger: kalt, pessimistisch, vorsichtig, defensiv, unreif, ausweichend, indifferent;
liegt er deutlich darüber (etwa bei 80%), dann wird er eher wahrgenommen als: freundlich, selbstsicher, natürlich, reif, ernsthaft

–   Redner, die viel Blickkontakt mit ihren Zuhörern haben, werden durchweg positiv beurteilt (z.B.: überzeugend, authentisch, ernsthaft, glaubhaft, erfahren, informiert, achtsam, flexibel)

Werde dir deiner selbst bewusst. Beobachte dich und entscheide wie du wahrgenommen werden möchtest.

Gerne stehe ich für die Beantwortung von Fragen und für deine Begleitung in Supervision und Entwicklung zur Verfügung.
Mit herzlichen Grüßen

Karin / Karin Pietzek
Entspannungspädagogin
Supervision, Burnout-Prävention
kybkom.de

 

An den Anfang scrollen