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Übergänge

Übergänge

Eine tibetische Weisheit beschreibt die Verbindung von Leben und Tod mit den Worten:
Willst du das Leben verstehen, dann schaue dir das Sterben an.

Jede spirituelle Tradition hat ihre eigene Version des Jenseits. Dennoch sind sich alle darin einig, dass die Vorbereitung auf den Tod eine der wichtigsten Übungen im Leben ist.

Was ist der Tod?
In meiner Welt verstehe ich den Tod als Übergang zwischen dem Diesseits und dem Jenseits. Als Menschen leben wir in einer Polarität. Wir entscheiden tag-täglich neu wo wir uns zwischen den Polen befinden. Wir schaffen uns Übergänge, Stagnationen und Entwicklungen.Unser ganzes Leben wird bestimmt durch unsere Wertungen zwischen den Polen wichtig/unwichtig, richtig/falsch, wertvoll/wertlos, kommen/gehen, usw. .
Den Grad, den wir zwischen den jeweiligen Polen einnehmen, bestimmen wir selbst. Das ist manchmal eine große Herausforderung. Denn in dem wir diese Herausforderung annehmen, übernehmen wir auch die Verantwortung für unser Leben. Wir sind nicht mehr Opfer der Umstände, sondern kommen in die Tat. Dabei dürfen wir durchaus auch Schwäche zeigen. Hinfallen, sich selbst bedauern, gehört genauso zum Leben wie wieder aufstehen, Lösungen finden und den Weg in der Realität leben.
Der Tod ist ein Übergang, der bestätigt, dass das Seelenbewusstsein im Leben ausreichend trainiert wurde. Für die Hinterbliebenen ist der Tod ein Abschluss und Neubeginn. Je mehr emotionale Bindung zu dem verstorbenen Menschen gelebt wurde, umso größer ist die Herausforderung der Erkenntnis. Eine Erkenntnis der tiefen Dankbarkeit, diesen Menschen gekannt zu haben. Eine Erkenntnis darüber, dass mit diesem Menschen eine Lebensphase vorbei ist. Eine Erkenntnis der End-gültigkeit. Gültig bleiben die Erinnerungen, die Gefühle und die Zeit, die gemeinsam erlebt wurde.

Was ist Diesseits, was ist Jenseits?
Für mich ist das Diesseits die Seite, in der ich emotional und rational wahrnehme. Das Jenseits kenne ich nicht. Geht ein Mensch, dann ist es für mich, als würde sich sein Körper – wie bei einer Schmetterlingsraupe – verpuppen. Der Körper wird starr und auf einer anderen Ebene, zu einer anderen Zeit, fliegt sein Bewusstsein als wunderschöner Schmetterling in ein anderes Erleben.

Trauer und Würdigung
Gerade dann, wenn jemand geliebt wurde, darf die Trauer nach dem Tod gelebt werden. Sie gehört zur Zeit des Abschied-nehmens. Zum Begreifen und Verarbeiten der Endlichkeit. Sie darf sich lösen, transformieren. Dem Toten darf die Ehre erwiesen werden. Die Ehre der Erinnerung, der Freude am Leben und die Dankbarkeit für die gemeinsame Zeit. Erst in diesem letzten Schritt, dem Gehen und Annehmen des eigenen Lebens, -ohne den Menschen, der ging und gleichzeitig mit der Erinnerung an sie/ihn -, erst ab diesem ersten Schritt in ein neues Er-Leben, wird der/die Verstorbene gewürdigt.

In liebevoller Erinnerung an die, die vor mir gingen.

Karin Pietzek

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